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Winter- & Frühjahrskonzept 2026/27

Anschlussplanung nach dem Cologne Marathon (04.10.2026) bis zu den Frühjahrs-Halbmarathons


1. Ausgangslage & Ziele

  • Nach dem Marathon: kein weiterer Marathon geplant, dafür Freude an langen Läufen erhalten.
  • Hauptziele 2027: Halbmarathon Frankfurt (~Ende März) und Halbmarathon Mainz Gutenberg (~Anfang Mai). Genaue Termine bei Veröffentlichung durch die Veranstalter noch bestätigen.
  • Prioritäten (deine Rangfolge):
    1. Kraft & Muskeln erhalten/aufbauen
    2. Aerobe Basis / lange Läufe
    3. Freude & Konsistenz
    4. Schneller werden (Tempo)
  • Rahmen: 3 Laufeinheiten/Woche (optional 4 bei Lust), Krafttraining flexibel (Studio-Zugang), Long Runs variabel nach Lust, möglichst draußen auch bei Kälte/Dunkelheit, dazu Radfahren und Wandern als Abwechslung.

2. Grundprinzipien

  1. Winter = Kraft-Saison. Ohne Wettkampfdruck kannst du Kraft jetzt priorisieren, ohne dass sie mit hartem Lauftempo konkurriert. Das ist die effektivste Zeit des Jahres für Muskelerhalt und -aufbau.
  2. Aerobe Basis über Konsistenz, nicht über Intensität. Der Großteil der Läufe bleibt locker in Zone 2. Das schützt die Basis, hält den Kopf frei und lässt Raum fürs Krafttraining.
  3. Polarisiert bleiben. Im Winter ~90 % locker, wenig bis keine harte Intensität. Erst im Frühjahrsblock kommt gezielt Tempo dazu.
  4. Weniger Laufvolumen als im Marathonblock = Feature, kein Bug. Der reduzierte Umfang entlastet u. a. das Schienbein und schafft Kapazität für Kraft und Cross-Training.
  5. Long Run bleibt, aber locker & flexibel. 14–24 km je nach Lust, immer in Zone 2. Kein Muss zur Distanz – der Spaß trägt die Konstanz.
  6. Spezifität erst spät. HM-Tempo und Schwellenarbeit erst ab Ende Januar, wenn Frankfurt in ~8–10 Wochen Reichweite kommt.

3. Phasenübersicht

PhaseZeitraumFokusKraftLauf-Intensität
0 – RegenerationOkt (ca. 3 Wochen)Erholung, Körper reparierenleicht/Mobilitysehr locker, wenig
1 – Basis + KraftNov – Mitte JanMuskelaufbau + aerobe Basis2× (Schwerpunkt)~100 % Z2, Strides
2 – HM-spezifisch (Frankfurt)Mitte Jan – Ende MärzSchwelle & HM-Tempo1–2× (Erhalt)Z2 + Tempo/Schwelle
3 – Mini-Peak (Mainz)April – Anfang MaiFrankfurt-Form nutzen, schärfen1× (Erhalt)Z2 + HM-Tempo

4. Phase 0 – Regeneration (Oktober)

Nach 42,2 km braucht der Körper echte Erholung – auch wenn du dich schnell wieder fit fühlst.

  • Woche 1: Kein strukturiertes Laufen. Spazieren, lockeres Radfahren, Mobility. Wenn es juckt: max. 1× 20–30 min sehr locker traben.
  • Woche 2: 2× lockere Läufe à 30–40 min (Z1–Z2), Beginn leichtes Mobility/Stabi.
  • Woche 3: 2–3× locker, langsam wieder Richtung 45–60 min, ein etwas längerer Lauf (~8–12 km) nach Gefühl. Erste leichte Krafteinheit (Technik, moderate Lasten).

Ziel: schmerzfrei, motiviert und ohne Restmüdigkeit in Phase 1 starten.


5. Phase 1 – Basis + Kraft (November bis Mitte Januar) · Kernphase

Das ist das Herzstück. Kraft ist hier gleichberechtigt bis führend, Laufen hält locker die Basis.

Beispiel-Trainingswoche

TagEinheit
MoRuhe (nach Sonntags-Long-Run)
DiKraft A (Bein-Schwerpunkt)
MiEasy Run 50–60 min (Z2) + 4×20 s Strides
DoKraft B (Ganzkörper, Oberkörper-betont) · oder Rad locker
FrEasy Run 40–50 min (Z2)
SaRuhe · oder Wandern (Z1–Z2, gern mit Familie)
SoLong Run 14–24 km (Z2, nach Lust)

Ergibt: 3 Läufe (Mi/Fr/So) + 2 Krafteinheiten (Di/Do) + optionales Rad/Wandern. Optionaler 4. Lauf: an einem Ruhetag ein kurzer, lockerer 30-min-Shakeout, wenn du Lust hast – ohne schlechtes Gewissen, wenn nicht.

Warum diese Anordnung

  • Bein-Kraft (Di) liegt 2 Tage nach dem Long Run (erholt) und 5 Tage davor (ausgeruht für Sonntag).
  • Zwischen Kraft B (Do) und Long Run (So) liegt der lockere Freitag + optionale Ruhe-Samstag → frische Beine für lang.
  • Kein hartes Lauftempo in dieser Phase, damit Kraft der Star bleiben darf.

Long-Run-Handling (flexibel)

  • Standard: Z2, 14–24 km, Distanz nach Tagesform/Lust.
  • Alle 2–3 Wochen ruhig mal Richtung oberes Ende (22–24 km), dazwischen kürzer.
  • Bei Glätte/Dunkelheit: gut sichtbare Kleidung, Stirnlampe, ggf. Schleifen in der Nähe statt einer langen Runde.

6. Phase 2 – HM-spezifisch für Frankfurt (Mitte Januar bis Ende März)

Jetzt wird die Basis in Halbmarathon-Form übersetzt. Kraft wechselt auf Erhalt (1–2×, etwas weniger Volumen, aber weiter progressiv/schwer genug).

Was sich ändert

  • Freitag wird zur Qualitätseinheit (statt easy):
    • Wechsel zwischen Schwelle (Z3–Z4, z. B. 3–4×8 min mit 2 min Trab) und Tempo-Dauerlauf (20–30 min knapp unter Schwelle).
  • Sonntag Long Run bekommt HM-Tempo-Blöcke, z. B. 16–20 km mit 2–3×3–4 km im angestrebten HM-Renntempo.
  • Mittwoch bleibt locker (Z2) als Erholungspuffer.
  • Peak-Long-Run für einen HM: 18–20 km reichen – kein Bedarf für Marathon-Distanzen.

Grober Aufbau (8–10 Wochen bis Frankfurt)

  1. Wochen 1–3: Schwelle einführen, HM-Tempo antesten, Umfang stabil.
  2. Wochen 4–6: HM-Tempo-Anteil im Long Run erhöhen, ein Testlauf/Wettkampf (z. B. 10 km) zur Tempo-Kalibrierung.
  3. Wochen 7–8: Schärfste, spezifischste Woche, dann Taper (7–10 Tage reduzieren).
  4. Frankfurt HM 🎯

HM-Renntempo festlegen

Noch offen und bewusst so – wir setzen es nach einem Benchmark im Februar (z. B. 10-km-Test oder 3-km/5-km-Effort). Anhaltspunkt: HM-Tempo liegt bei den meisten ~15–25 s/km schneller als das Marathon-Tempo. Wir kalibrieren datenbasiert aus deiner Winterentwicklung.


7. Phase 3 – Mini-Peak für Mainz (April bis Anfang Mai)

Zwischen Frankfurt und Mainz liegen nur ~5–6 Wochen – ideal, um die vorhandene Form mit minimalem Aufwand ein zweites Mal zu nutzen.

  • Woche 1 (nach Frankfurt): locker regenerieren, keine Qualität, kurzer lockerer Long Run.
  • Wochen 2–4: 1–2 zielgerichtete HM-Tempo-/Schwelleneinheiten pro Woche, Long Run 16–18 km mit Renntempo-Blöcken, Kraft 1× Erhalt.
  • Woche 5: Taper (5–7 Tage).
  • Mainz Gutenberg HM 🎯 – hier kannst du auf Basis der Frankfurt-Erfahrung ggf. das Renntempo leicht optimieren.

8. Krafttraining-Konzept (deine Nr. 1)

Ziel: Muskeln erhalten/aufbauen, laufspezifische Kraft, Verletzungsprophylaxe. Frequenz: flexibel, Sweet Spot 2×/Woche (1× reicht zum Erhalt, 3× nur in Phase 1, wenn Lauf locker bleibt).

Grundregeln

  • Progressive Überlastung: Doppelte Progression – erst Wiederholungen hocharbeiten, dann Last erhöhen.
  • Intensität: RPE 7–8 (1–2 Wiederholungen „in Reserve"), nicht bis zum Muskelversagen – sonst leidet das Laufen.
  • Mischung aus schwerer Kraft (4–6 Wdh., Sehnen/Kraft) und Hypertrophie (6–12 Wdh., Muskelerhalt).
  • Vor jeder Einheit 5–10 min lockeres Warm-up + Aufwärmsätze.

Einheit A – Bein-Schwerpunkt

ÜbungSätze × Wdh.
Kniebeuge (Langhantel oder Beinpresse)3–4 × 5–8
Rumänisches Kreuzheben3 × 6–8
Beinbeuger (Leg Curl)3 × 10–12
Wadenheben stehend (betont exzentrisch)3 × 10–15
Tibialis-Raises (Schienbein-Front)3 × 15–20
Latzug oder Rudern3 × 8–12
Plank / Anti-Rotation3 × 30–45 s

Einheit B – Ganzkörper / Oberkörper-betont

ÜbungSätze × Wdh.
Bulgarian Split Squat (Einbein-Stabilität)3 × 8–10/Bein
Hip Thrust / Glute Bridge3 × 8–12
Schulterdrücken3 × 8–10
Bankdrücken oder Liegestütz3 × 8–12
Einbein-Wadenheben3 × 10–12/Bein
Tibialis-Raises3 × 15–20
Pallof Press / Seitstütz3 × 30 s/Seite

Timing-Regel: Bein-intensive Kraft nie direkt vor dem Long Run. Am besten früh in der Woche (Di) oder mit ≥1 Ruhetag Abstand zum Sonntag.

Im Frühjahr (Phase 2/3): Volumen leicht senken (2–3 statt 3–4 Sätze), Last aber halten – so bleibt die Muskulatur ohne Ermüdungsstau erhalten.


9. Cross-Training (Rad & Wandern)

  • Radfahren: ideal als lockere Z1–Z2-Einheit an Nicht-Lauftagen oder als aktive Erholung. Gelenkschonend, gut fürs Schienbein, baut aerobe Basis ohne zusätzlichen Aufprall. 45–90 min locker.
  • Wandern: perfekt für Samstage mit Familie – Z1-Ausdauer, Beinkraft, mentale Erholung, kein Leistungsdruck. Zählt als aktive Regeneration, nicht als „Trainingsbelastung".
  • Regel: Cross-Training ersetzt keine Schlüsseleinheit, sondern füllt Lücken und bringt Freude. Wenn eine Woche voll ist, hat Laufen + Kraft Vorrang.

10. Schienbein & Verletzungsprophylaxe

Das reduzierte Winter-Laufvolumen entlastet den Tibialis anterior ohnehin. Ergänzend baust du gezielt Widerstandsfähigkeit auf:

  • Tibialis-Raises (in beiden Krafteinheiten) – exzentrisch betont, langsam.
  • Wadenheben exzentrisch für die Gegenspieler-Balance.
  • Schuhwahl: dämpfender New Balance 880v15 für lange/lockere Läufe, Hyperion 3 eher für Tempo im Frühjahr.
  • Grundsatz: Umfangssteigerungen behutsam (~10 %/Woche als Obergrenze). Sollte die Front über mehrere Wochen trotz Kraftarbeit gereizt bleiben, ist eine fachärztliche/physiotherapeutische Abklärung sinnvoll – der Winter ist der beste Zeitpunkt dafür, weil kein Wettkampf drängt.

11. Heuschnupfen & Frühjahrsrennen

Beide Zielrennen fallen in die Pollensaison – Mainz (Anfang Mai) trifft den Beginn der für dich relevanten Gräsersaison. Praktisch:

  • In den Rennwochen antiallergische Prophylaxe rechtzeitig starten (nicht erst bei Symptomen), Nasenspray/Augentropfen dabeihaben.
  • Nicht-sedierende Antihistaminika bevorzugen, damit die Leistung nicht leidet.
  • An Hochpollentagen ggf. Long Runs auf pollenärmere Zeiten (früher Morgen, nach Regen) legen.

12. HF-Zonen-Referenz (LTHR-basiert)

ZoneBereichNutzung
Z1106–134 bpmWarm-up, Regeneration, Wandern
Z2135–149 bpmBasis, Easy Runs, Long Runs
Z3150–157 bpmAerob, Tempo-Dauerlauf
Z4158–168 bpmSchwelle (Frühjahrsblock)
Z5169+ bpmselten, nur kurze Strides/Spitzen

Hinweis: An kalten Wintertagen kann die HF etwas niedriger, an milden/schwülen Tagen höher liegen. Im Winter darf das Tempo führen, die HF ist Orientierung, kein Diktat.


13. Offene Punkte & nächste Schritte

  • [ ] Genaue Renntermine 2027 (Frankfurt, Mainz) bestätigen, sobald veröffentlicht.
  • [ ] HM-Renntempo im Februar per Benchmark festlegen.
  • [ ] lauf_historie.md weiter wöchentlich (nach dem Sonntagslauf) aktualisieren, damit die Analyse aktuell bleibt.
  • [ ] Nach Mainz (Mai): Sommerziele festlegen – z. B. Tempo/5–10 km oder einfach genussorientierte lange Läufe.
  • [ ] Optional: Zone-2-Pace-Entwicklung im Blick behalten (Ziel Richtung 5:45–6:00/km).